Trabant 601 in der Rallyeversion

Um bei historischen Rallyes mitfahren zu können, braucht man das passende Auto. Genau das dachte sich auch Mario. Und nachdem beim ersten Projekt ein Trabant komplett original (Serie) aufgebaut und restauriert wurde, war nun ein zweiter Trabant für Rallyes geplant.

Der Trabant hat zwar allgemein seinen Platz in der Geschichte gefunden. Aber darauf will ich heute nicht näher eingehen. Vielleicht wäre das auch ne Story für einen späteren Blogbeitrag…?

Das Leben des hier gezeigten Fahrzeugs fing ganz gewöhnlich 1986 in Zwickau an. Dort lief der Trabant als 601 vom Band. Im September 2014 war Mario im Internet auf der Suche nach anderen Trabis. Und eher durch Zufall entdeckte er dort einen Scheunenfund, der seit 1997 gestanden hat. Das Fahrzeug war günstig abzugeben und so hatte Mario einen weiteren Trabant daheim stehen. Der Lack war sehr stark ausgeblichen und in einem schlechten Zustand. Aber unter der Verkleidung machte der Wagen einen sehr guten Eindruck. Mario fand die Karosserie in einen guten Zustand vor. Das Erstaunliche war, es mussten keine Schweißarbeiten an der Basis für das Rallyeauto vorgenommen werden. Um das Auto für Rallyeeinsätze vorzubereiten, wurde die Karosserie mit dem Versteifungssatz nach Rallyeabteilung Sachsenring durch zusätzliche Träger am Unterboden und den Domen an Vorder- und Hinterachse versteift. Der Unterboden wurde durch einen Lackaufbau restauriert.

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Beim Motor wurde auf den bewährten 600 Kubikzentimeter 2-Takt Motor zurückgegriffen. Der bekam eine Behandlung vom Spezialisten Frank Glatter. Die Gemischaufbereitung übernimmt ein 30er Mikuni TMX Vergaser. Den Vorschalldämpfer, der nach originalen Zeichnungen aus der Rallyeabteilung Sachsenring gefertigt wurde, steuerte ebenfalls Motorenbauer Glatter bei. Danach geht die Abgasanlage mit einem Eigenbau und Simons Nachschalldämpfer weiter, bevor der typische Zweitaktduft vor der Hinterachse seitlich am Fahrzeug seinen Ausgang findet. Die Leistungsangaben liegen jetzt bei ca. 35 PS und 65 Nm.
Das G60S 4-Ganggetriebe mit verstärkter Kupplung bringt die Leistung auf die Vorderachse. Dort sind, wie rundum, Trommelbremsen verbaut. Wobei vorne auf die vom Wartburg vertraut wird. Mit geänderten Blattfedern und Dämpfern passte man das Auto an die neuen Gegebenheiten an. An der Vorderachse hielt zusätzlich eine Domstrebe Einzug. Und an der Hinterachse wurde der Sturz um 38mm korrigiert. Mit den umgeschweißten Stahlfelgen in 5x13J finden nun auch 165er Reifen ausreichend Grip auf den Wertungsprüfungen.

Bei der Lackierung entschied sich Mario für die damalige Optik der Werksautos von 1979-1983.
Und zwar hat das auch einen ganz einfachen Grund. Bei Nachbauten sind die Werkslackierungen nach 1983 stark vertreten. Doch Mario findet die älter Farbgebung viel schöner und die ist auch nicht so häufig anzutreffen.
Das größte Problem bei dem ganzen Umbau war eigentlich die Vorlagen für die Lackierung zu bekommen. Also die Recherche nach Rallyefotos aus der damaligen Zeit. Das besondere an der Lackierung ist folgende Tatsache. Die Fahrerbesatzung Piehler/Wolf ist wirklich nur bei der 1000 Seen Rallye 1981 zusammen gefahren, was internationale Rallyes betrifft.

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Um keine Experimente bei der Sicherheit zu machen, wanderten sicherheitsrelevante Bauteile wie Käfig, Sitze, Gurte, Feuerlöscher, Notausschalter in modernen Ausführungen in das Rallyeauto. Damit sollten auch die Anforderungen für den Start bei Rallyes gewährleistet sein. Doch nicht nur wegen der Sicherheit sind neue Bauteile sinnvoller, auch die Beschaffung von alten, originalen Sitzen, usw. gestaltet sich heute als sehr schwer.

Im Herbst 2015 wurde es dann ernst. Bei einer nationalen Rallye im historischen Teilnehmerfeld rollte der Rallye Trabant zum ersten Mal an den Start einer Wertungsprüfung. Auch für Mario mit seinem Vater als Copilot wurde die Sache ernst. Klar, war die Aufregung und die Anspannung vor der ersten WP groß. Bleibt das Auto ganz? Hält Alles? Passt der Aufschrieb? Aber nach jedem gefahrenen Kilometer und jeder geschafften Wertungsprüfung, wich die Anspannung. Und die Freude wurde immer größer. Die war im Ziel der Rallye erst recht groß. Bei der ersten Rallye ins Ziel gekommen zu sein, ist schon ein beachtlicher Erfolg.
Drei Rallyeveranstaltungen sind mittlerweile gefahren. Dort lief alles ohne große Probleme. Und Mario schießt sich immer mehr auf das Auto ein. Auch die Zusammenarbeit mit dem Beifahrer und dem Aufschrieb wird immer besser. Und damit sind die Abweichungen auf die Sollzeit auch schon ein ganzes Stück geringer geworden. Für Mario und seinen Trabant 601 heißt es nun mehr Rallyes fahren um viel zu lernen und mehr Erfahrungen zu sammeln. Denn Erfahrung ist auch notwendig um im Rallyesport auf das Podest zu kommen. Und genau dort will Mario hin.

 

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Tinoreply
2. April 2018 at 5:43

Hallo Mario,

wurde die Karosserie mit dem Versteifungssatz nach Rallyeabteilung Sachsenring durch zusätzliche Träger am Unterboden und den Domen an Vorder- und Hinterachse versteift.

Was soll das sein, wo gibt es das zu kaufen bzw. Pläne?

Mit den besten Grüßen
Tino Senf

Marioreply
2. April 2018 at 13:00
– In reply to: Tino

Hallo.
Also am Unterboden sind 2 Längsträger parallel zu dem bereits vorhandenen Träger dazu gekommen.
Die Dome vorne wurden zur Seitenwand hin abgestützt.
Und hinten wurde ein Blech in U-Form um den Dom geschweißt.

Fertig zu kaufen gibt es außer den Längsträgern nix (diese werden beim Umbau auf Wartburgmotor benötigt und dadurch gibt es sie in den Onlineshops).
Ab und an finden sich die kompletten Bleche mal auf ebay….. aber eher selten.

Pläne hab ich keine dazu.

Gruß Mario

Dirk Hösselreply
2. April 2018 at 10:48

Hi Tino.
Vielen Dank für deinen Kommentar! Deine Frage habe ich an Mario weitergeleitet.
LG Dirk

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